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Ich war stolz, als ich als Teenie, nach wochenlanger Arbeit in einer Gärtnerei, zweihundert Franken verdient hatte und mir endlich einen eigenen Kassettenradiorecorder kaufen konnte. Das Gerät ermöglichte mir auch Aufnahmen der geliebten Musik auf Kassette. Meine Lieblingssendungen waren die Hitparade auf DRS 1 mit Jürg Marquard und Co. und die Oldies auf SWF 3 mit Frank Laufenberg. Zwei Sender, die zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens wurden und die ich mit einem Klebeband auf der dafür vorgesehenen Frequenztabelle signalisiert hatte. Das war in den 1970ger Jahren, der Zeit, wo es noch dann und wann im Radio brummte, wenn irgendwo im Haus der Staubsauger oder andere Geräte eingeschaltet wurden.
Internetradio löst UKW Geräte ab Vierzig Jahre ist das her. Blättere ich heute in einem Prospekt mit Radio- und TV-Geräten, stelle ich einen gewaltigen Umbruch fest. Vom Rauschen und übersichtlicher Konzentration auf einige Sender hin zu geräuschfreien Geräten mit unzähligen Möglichkeiten. Neue Frequenzen wie DAB+ und ein extrem breites Angebot mit bis zu 10‘000 Radiosendern via Internet aus der ganzen Welt. Die Wandlung von UKW auf DAB+ und Internetradio ist voll im Gange, dauert an, wandelt sich laufend, und das immer rasanter. Kaum versucht man sich an die neuen DAB+ und Internetradios zu gewöhnen, ist bereits ein neuer Trend im Gange. Aus dem Handy wird ein Multifunktionsgerät mit Internetzugang, das bereits ermöglicht, die Internetradiosender mobil zu hören.
Internetradio löst UKW Geräte ab
Multimediale Alleskönner und die Informationsgesellschaft Diese Wandlung bringt viele Erleichterungen mit sich. Geräte zu einem einzigen multimedialen Alleskönner zu verschmelzen, macht eindeutig Sinn. Doch diese technische Entwicklung hat die Grenzen der Aufnahmemöglichkeiten eines einzelnen Menschen längst überschritten. Rhetorik.ch weist darauf hin, dass die Informationen heute lawinenartig zu einer Informationsflut angewachsen seien. Es heisst, dass der erste Weltkrieg der Krieg der Chemiker war (Gas), der zweite Weltkrieg der Krieg der Physiker (Atombombe) war und der dritte wird als der Krieg der Mathematiker (Information) prognostiziert. (Zitat: S. Sing, "The Code book", Doubleday, 1999). (Quelle: Rhetorik.ch). Nicht nur Informationen haben stark zu genommen, auch die Massenmedien selbst, die zudem einer enormen technischen Wandlung unterliegen. Kaufe ich heute ein neues Radio, ist es morgen bereits veraltet. Immer mehr neue Dienste buhlen um Aufmerksamkeit, um Zugriffe und Hörerzahlen. Macht das Sinn?
Der Markt wird vom Kunden bestimmt Als Hörer von Radiosendungen und Nutzer vom umfassenden Internetangebot gibt es für mich sehr viele neue Möglichkeiten, die 1970 nicht möglich, geschweige denn überhaupt denkbar waren. Darunter viel Gutes und viel, das ich nie brauchen werde. Es liegt an mir selbst, die Perlen heraus zu picken und mich von den Unmengen an vordergründig sinnvollen Möglichkeiten zu schützen, aus den 10‘000 Internetradiosendern die drei zu wählen, die die Songs aus den 1970gern spielen, Informationen aus dem Internet je nach Inhaber der Webseiten mit Vorsicht zu geniessen und bei allen noch so logischen und sinnvollen Diensten sehr zurückhaltend zu sein mit der Veröffentlichung persönlicher Daten.
Nein sagen schützt nicht nur, es bedeutet auch ja zu sagen zu dem, was wertvoll ist und Aufmerksamkeit verdient. Weg von der Quantität hin zur Qualität. So bestimme ich den Markt und nicht der Markt mich. Nur so verschwindet Nutzloses und Übersicht in der Vielfalt wird gefördert.
Eure Meinung?
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